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Zwischen Vergänglichkeit und Ewigkeit
von Eveline Stalder

Wir Menschen sind von Natur aus egoistisch; Fragen, die unsere
persönlichen Interessen angehen, sind für uns von größter Wichtigkeit. Da
ist es schon absurd, dass in Bezug auf den eigenen Tod die Mehrheit der
Menschen eine gleichgültige Haltung einnehmen, oder bestenfalls das
Nachdenken über den Tod auf die späteren Lebensjahre verschieben.

Egal, wie stark wir uns widersetzen oder versuchen zu entkommen, wo wir
auch hingehen, der Tod kann uns in jedem Moment treffen; der Mensch hat
keine Wahl, es gibt keinen Ausweg. Der natürliche Kreislauf von Werden
und Vergehen ist unausweichlich!

Aus diesem Grunde müssen wir aufhören, uns selbst zu betrügen und
Tatsachen zu ignorieren. Leben ist vergänglich, Tod ist beständig. Wir sind
aber erst richtig tot, wenn sich niemand mehr an uns erinnert.

Sichtbare Zeichen gegen das Vergessen sind Grabmale. Grabmale, auch
Grabdenkmale sind jedes einem Verstorbenen an seiner Beerdigungs- oder
Beisetzungsstätte errichtete Erinnerungszeichen.


Grabmale in der Antike

Ursprünglich nur eine Auszeichnung für Könige, Fürsten, Helden und hohe
Persönlichkeiten, wurde die Sitte, Grabmale zu errichten, schon in der
frühen Antike auf alle Toten ausgedehnt. Aus roh auf aufgeworfenen Erdhügeln
und unbearbeiteten Steinblöcken in prähistorischer Zeit, entwickelte
sich in der Antike das Grabmal bis zur edelsten künstlerischen Form.

Bei den alten Ägyptern, Griechen und Römern wurde der Gräberkult am
weitesten getrieben. Vor den griechischen, griechisch-römischen und
römischen Städten wurden ganze Gräberstrassen (Athen, Pompeji, Via
Appia/Rom) angelegt, die dicht mit Grabsteinen, kleinen Baulichkeiten, aber
auch mit Tempeln und imposanten Monumenten (Grabmal der Cäcilia
Metella/Rom) besetzt waren. Römische Grabsteine mit Inschriften und
Reliefdarstellungen wurden überall gefunden, soweit sich das römische
Imperium erstreckte.

In uralten Grabmalen wie zum Beispiel den ägyptischen Pyramiden und
Königsgräbern sind für die gesamte Entwicklungsgeschichte der Kunst
wichtige Monumente erhalten. Noch heute staunen wir über die Bauwerke,
die Kunst und den einzigartigen Totenkult der alten Ägypter.

Vor der Cheops Pyramide steht ein kleines Museum, das als Hauptattraktion
die berühmte Sonnenbarke (Sonnenschiff) des Cheops ausstellt. Diese
fast 5.000 Jahre alte Sonnenbarke besteht aus Zedernholz und hat alles,
was ein Schiff braucht: Ruder, Seile, ein komplettes Abteil mit Sitzplätzen,
usw.

Die Sonnenbarke stand dem König im Jenseits zur Verfügung, wenn er
seine Tages- und Nachtreise mit dem Sonnengott Re (auch Ra genannt),
dem wohl wichtigsten ägyptischen Gott, unternehmen wollte. Tagsüber
überquerten sie in der Sonnenbarke den Himmel und nachts reisten sie mit
ihr durch die Unterwelt.

Grabmale im Mittelalter

Die Christen übernahmen die Sitte, Grabmale zu errichten von den Römern.
Heute noch zeugen Grabsteine und Steinsarkophage in den Katakomben
von Rom davon.

Aus der Beisetzung von Toten in unterirdischen Begräbnisstätten entwikkelte
sich dann die Gewohnheit, Geistliche, Fürsten und später auch
wohlhabende, um die Kirche verdiente Bürger in Gewölben unter dem
Fußböden der Kirchen, Kapellen und Kreuzgängen zu bestatten.

Als äusseres Zeichen des Bestattungsortes wurden in den Fußboden Grabplatten
mit Inschriften und den Reliefbildnissen der Verstorbenen
eingelassen oder oberhalb des Fußbodens Sarkophage aufgestellt. Auf dem
Sarkophag lag gewöhnlich die Porträtfigur des Verstorbenen in vollem
Waffenschmuck, in Fürstentracht, Ornat und dergleichen.

Die minder bevorzugten Gemeindemitglieder wurden außerhalb der Kirche,
aber im angrenzenden Terrain (Kirchhof) begraben, wo man ihnen ebenfalls
Grabsteine errichtete, die oft an den Kirchenmauern befestigt wurden.

Mit der wachsenden Ruhmsucht zu Beginn der Renaissance, wuchs auch der
Luxus für Grabmale. Die italienischen Kirchen, Klöster und Friedhöfe sind voll
von prächtigen Grabmalen wie zum Beispiel Michelangelos Grabkapelle der
Mediceer in Florenz.

In neuerer Zeit werden Grabmale in Kirchen nur für fürstliche Personen oder
zum Ehrengedächtnis berühmter Männer errichtet (Westminsterabbey in
London, Pantheon zu Rom). Daneben werden auch einzelne Ruhestätten
für Mitglieder von Fürstenfamilien in Gestalt von Kapellen und Grabmalen
angelegt (Mausoleum in Charlottenburg/Berlin, Grabmal Friedrichs I. im
hohen Chor des St.-Petri-Domes zu Schleswig).

Grabmale in heutiger Zeit

Grabmale sind immer sichtbare Zeichen der Erinnerung. Sie achten die
Würde des Toten und entsprechen gestalterisch ihrer Zeit. Da jeder Mensch
einzigartig ist, auch über den Tod hinaus, helfen Ateliers für Grabgestaltung
die Einzigartigkeit als bleibende Erinnerung an den Verstorbenen sichtbar
zu bewahren. Die individuelle Gestaltung des Grabmals ist besonders
wichtig, weil sich dadurch immer etwas vom einmaligen Wesen und
Charakter eines Verstorbenen widerspiegelt und die Erinnerung bewahrt
bleibt.

Ateliers für Grabgestaltung leisten einen Beitrag zur Friedhofskultur und
helfen mit, die Totenehrung als ein hohes Kulturgut unserer Gesellschaft zu
bewahren.

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